Corona hat das weltweite Leben in seinem Griff und in den herrscht viel Ratlosigkeit im Umgang und oftmals Panik hinsichtlich der befürchteten Konsequenzen. Aufgrund der Ausgangsbeschränkungen sind die Arbeitnehmer auf das Home Office beschränkt und die virtuelle Zusammenarbeit mit Skype und Co. boomt. Zur Überraschung vieler funktioniert es besser als zunächst angenommen, vorausgesetzt Technik und Moderation tragen dieser speziellen Zusammenarbeitssituation Rechnung.

Allerdings ist auch deutlich, dass diese Tools im Sinn einer realitätsnahen Zusammenarbeit wie zum z.B. in Workshops, Seminaren, etc. deutlich eingeschränkt sind. Wir wollten deshalb beim Thema virtuelle Zusammenarbeit/Lernen den nächsten Schritt machen  einer virtuellen 3D Umgebung das „I-Tüpfelchen des Lernens“ aufsetzen. Viele Inhalte sind durch Web-, Video- und Podcasts vermittelbar. Alles was in den Bereich Micro-Learning fällt, ist im Grunde abgedeckt. Doch ein persönlichkeitsorientiertes Seminar braucht ein anderes Format. Wir verstehen darunter ein Seminar, in dem persönliche Glaubenssätze, Einstellungen, Verhaltensweisen und Kommunikationsstile reflektiert, vermittelt und geändert werden können. Und die Frage, die wir uns stellten war: Ist es möglich ein persönlichkeitsorientiertes Präsenzseminar in virtuellen 3D Lernumgebung umzusetzen.

Um diese Frage zu beantworten, haben Change Pioneers (www.change-pioneers.com) und ein namhaftes deutsches Unternehmen das bestehende Präsenztraining „Führen ohne Macht“ in einer virtuellen 3D Lernumgebung umgesetzt. Die Teilnehmer aus der ganzen Welt interagieren in dieser Umgebung als Avatare, einem Alter Ego, dessen Aussehen individuell anpassbar ist.

Und auch wir waren zunächst skeptisch, ob wir damit erfolgreich sind.

Die Umsetzung des Seminars Führen ohne Macht in einer virtuellen 3D-Lernumgebung

Das Seminar „Führen ohne Macht“ ist ein seit vielen Jahren etabliertes und sehr positiv bewertetes Präsenztraining. Die bisherigen Teilnehmer schätzen an dem Format besonders die Möglichkeit Praxisfälle einbringen zu können, das Maß an Vertrauen und Offenheit in der Gruppe und die wertvollen Erkenntnisse, die sie durch das Seminar auf persönlicher Ebene gewinnen. Unser Ziel war es, diese hohe Zufriedenheit und die erzielten Lernerfolge auch in der virtuellen Umsetzung zu erreichen.

Im Vergleich zum 2,5tägigen Präsenzseminar haben wir die virtuelle Variante in fünf 4,5 stündige Module unterteilt. Sowohl der Inhalt als auch die Seminarmethoden blieben identisch. In einem vorgelagerten Kick Off Meeting wurden die Teilnehmer mit der Technik und der Bedienung ihres Avatars vertraut gemacht. Dazu sagten viele Teilnehmer

„The kickoff was really necessary, to familiarize with the technique.”

Ein essentieller Vorteil der virtuellen Variante ist, dass die Teilnehmer das Seminar direkt an ihrem Arbeitsplatz oder in einer von ihnen gewählten Umgebung wahrnehmen können. Dadurch ermöglichen wir, dass Mitarbeiter weltweit an dem Training teilnehmen können, vor allem diejenigen, die keinen Zugang zu einem Präsenzseminar haben – und das ohne Reisekosten und Reisezeit. Als technische Ausstattung sind lediglich ein Headset, die installierte Software und eine stabile Internetverbindung nötig.

Erste Erfahrungen mit unserem neu entwickelten Seminar Design, den räumlichen und funktionalen Möglichkeiten des virtuellen Seminarhauses machten wir in mehreren Demo Sessions. Dabei erkundeten wir spielerisch die virtuelle Lernumgebung und ihre funktionalen Möglichkeiten. Wir lernten, was der eigene Avatar kann und wie die Steuerung des eigenen Avatars auf andere virtuelle Teilnehmer wirkt.

Zu den beiden kostenfreien Pilotseminaren meldeten sich 300 Freiwillige aus 15 Ländern an. Wir testeten, inwieweit gleichzeitiges, interaktives Arbeiten der Teilnehmer möglich ist (z.B. Gruppenarbeiten, Rollenspiele und Aufstellungen). Entscheidend für uns war auch, ob sich die Teilnehmer wirklich präsent und emotional angesprochen fühlten. Das war in unseren Augen der entscheidende Erfolgsfaktor.

Ich – der Avatar … und wie es sich anfühlt

In dem ersten bezahlten Training begrüßten wir Teilnehmer aus Mexiko, Holland, Schweden, Spanien, England und Deutschland in unserem 3D- Seminarhaus. Zu Beginn können die Teilnehmer dort das Aussehen und die Kleidung ihres Avatars selbst festlegen. Mit ihrem Avatar können Sie sich dann frei durch die Seminarräume und Grünflächen in der virtuellen Lernumgebung bewegen. Durch ihn interagieren sie mit dem Trainer und den anderen Teilnehmern. Somit stellen die Avatare virtuelle Personen dar, mit denen sich die Teilnehmer identifizieren können. Und die Reaktion der Teilnehmer war:

„I feel present as a person!”

Trotz der rudimentären Mimik und Gestik entstand bei den Teillnehmern schnell ein hohes Maß an Immersion. Darunter wird der Zustand des Eintauchens, des emotionalen und inhaltlichen Eingebundenseins sowie des Präsentseins in der virtuellen Lernwelt beschrieben. Ein Teilnehmer formulierte es so: „

After a while I really felt being with the others in one room – like in an onsite training.“

Durch die weitgehende Immersion konnten wir den gesamten Seminarablauf, alle Inhalte und Übungen beibehalten. Anders als bei online Kommunikationssystemen wie Circuit oder LiveMeeting, bei denen manche Teilnehmer nebenbei E-Mails checken oder innerlich abschalten, sind die Teilnehmer in der Avatar-basierten Lernwelt deutlich präsenter und gehen achtsamer miteinander um.

“It is much better than circuit – it keeps you more focused.”

Was wir in der realen Welt als angemessen oder unangemessen erachten, trifft auch auf die virtuelle Welt zu. Dies gilt zum Beispiel für unser Nähe- und Distanzverhalten. Steht ein anderer Avatar zu nahe am eigenen Avatar, wirkt dies irritierend. Schiebt man versehentlich einen anderen Avatar zur Seite, da einem die Steuerung der eigenen Figur nicht gut gelingt, entschuldigt man sich. Verliert man die Gruppe während man beispielsweise den Raum wechselt, empfindet man Orientierungslosigkeit. Sitzt man im Kreis, entsteht das Gefühl von Einbezogenheit.

Die Möglichkeit die Webcams zu nutzen, führt zu einer weiteren Vertiefung der Beziehungsebene zwischen den Teilnehmer. Und damit der Immersion, weil sich die Teilnehmer nicht nur als Avatare sondern nun auch wie bei einer Videokonferenz im Rahmen der virtuellen 3D Umgebung sehen können. Dies kann vor allem in Gruppenarbeiten gut genutzt werden, um die persönlichen Diskussionen und Reflektionen zu unterstützen.

Voraussetzungen für persönlichkeitsorientiertes Lernen in einer 3D Lernumgebung

Das Verändern persönlicher Überzeugungen und Verhaltensweisen ist nur möglich, wenn wir eine Veränderungsnotwendigkeit sehen, und diese kognitiv und emotional verstehen und akzeptieren. Das ist bei jeder Form persönlichkeitsorientierten Lernens der Fall.

Um neues Verhalten nachhaltig in uns zu verankern, braucht es eine starke positive emotionale Aktivierung. Nur wenn das gegeben ist, kann unser Gehirn unser Verhalten „umschreiben“ und neue Verhaltensweisen sukzessive zur neuen Routine werden lassen.

Daher ist das beschriebene hohe Maß der Immersion für den Lernerfolg so wichtig und die Rolle der Emotion in der virtuellen Welt genauso bedeutsam wie in klassischen Präsenztrainings. Der Zustand

„I really feel the others – I’m with them”

ist entscheidend.

In unseren beiden Pilot-Seminaren haben wir folgende Erfolgsfaktoren identifiziert, um die emotionale Beteiligung der Teilnehmer zu unterstützen:

  1. Funktionierende Technik und ein kompetenter Umgang damit
    Dies ist im Artikel „Virtuelle Teams – wie globale Zusammenarbeit wirklich effizient ist!“ ausführlich beschrieben.
  2. Realisierung unterschiedlichster Zusammenarbeitsformen
    Auch dies ist im Artikel „Virtuelle Teams – wie globale Zusammenarbeit wirklich effizient ist!“ ausführlich beschrieben.
  3. Berücksichtigung didaktische Besonderheiten und erweiterte Kompetenzen der Trainer
    Bei verhaltensorientierten Trainings spielt der Vertrauensaufbau eine entscheidende Rolle. Deshalb müssen die Trainer in der Lage sein, auch virtuell die Aufmerksamkeit der Teilnehmer zu bündeln und ihr Vertrauen zu gewinnen. Das schaffen sie z.B. durch das direkte Ansprechen einzelner Teilnehmer, persönliche Beispiele und gezieltes Nachfragen. Präsentationen müssen kurz und interaktiv sein, Übungen klar angeleitet werden und Diskussionen aktiver moderiert werden als in Präsenztrainings.Gerade bei interkulturellen Gruppen sollten Trainer in der Lage sein, schnell mit Teilnehmern aus verschiedenen Ländern Kontakt aufnehmen und Vertrauen aufbauen zu können.Kommt es trotz einer gründlichen Vorbereitung zu technischen Problemen, ist es wichtig, dass der Trainer diese elegant überbrücken oder idealerweise selbst lösen kann. Ist dies nicht möglich, sind vom Trainer Alternativlösungen, Kreativität und eine innere Gelassenheit erforderlich. Dies überträgt sich im positiven Sinn auf die Teilnehmer. Ein hohes Maß an Flexibilität sind von Trainern und Teilnehmern gleichermaßen erforderlich und können bewusst geübt und gelernt werden.

    Bei Impulsvorträgen erhält der Trainer keine unmittelbare Resonanz durch die Mimik und Gestik der Teilnehmer (Avatare), wie in einem Präsenzseminar. Zwar gibt es technisch die Möglichkeit, den Gesichtsausdruck des Avatars zu ändern, allerdings ist dies zu wenig differenziert und für den Trainer, der zu einer Gruppe spricht, kaum sichtbar. Daher ist es umso wichtiger, die Gruppe regelmäßig und in kurzen Abständen aktiv einzubinden. Anstatt langer Monologe sind kurze, interaktive Impulse mit gezielten Rückfragen sinnvoll.

    Um die hohen und vielfältigen Anforderungen an die Trainer sicherzustellen, haben wir uns dafür entschieden, das virtuelle Seminar von 2 Trainern durchführen zu lassen (1 Trainer im Präsenzseminar). Das gibt den Trainern die Möglichkeit, sowohl die inhaltliche, als auch die gruppendynamische, emotionale und technische Steuerung des Seminars zu gewährleisten.

Die Einschätzung der Teilnehmer

„I shouldn’t have put on high heels today, so I would be quicker in moving around.“

Wir erlebten oft eine hohe Identifikation mit dem eigenen Avatar und damit hohe Immersion. Daraus entstand auch ein sehr situationsbezogener Humor. Der Avatar gibt einem die Möglichkeit, Dinge auszuprobieren, die in der Realität nicht möglich wären, z.B. die Hautfarbe oder das Alter zu ändern, …

“It is thrilling to be and learn with a global group.”

Viele Teilnehmer waren begeistert, in einer internationalen Gruppe zu lernen und Kollegen aus aller Welt zu treffen. Der globale Spirit, die Vielfältigkeit der Erfahrungen und der wertvolle kulturelle Austausch wurden von den Teilnehmern sehr geschätzt. Dies fördert eine internationale Unternehmenskultur und trägt zu einer stärkeren weltweiten Vernetzung bei.

“A very good solution for cost and travel restrictions.”

Angesichts reduzierter Trainings- und Reisebudgets stellt das Lernen in virtuellen Umgebungen eine ideale Ergänzung zu den Präsenztrainings dar. So können Personen erreicht werden, die geografisch weit verteilt sind und für die die Kosten und der Aufwand für ein Präsenztraining zu groß wären.

„It was great that we could directly apply our learnings and reflect on them in the next module.“

Die Teilnehmer schätzten sehr, dass sie das Gelernte direkt nach dem Training in ihren Arbeitsalltag integrieren konnten, und in dem jeweils nächsten Modul Erfolge teilen oder Fragen dazu klären konnten.

Das Fazit aus Perspektive der Projektgruppe

Für uns war es anfangs tatsächlich unklar, ob sich ein verhaltens- orientiertes Seminar wie „Führen ohne Macht“ in einer virtuellen 3D Lernumgebung abbilden lässt.

Auf Basis unserer sehr positiven Erfahrungen in den beiden Pilotseminaren und dem ersten Training kommen wir hier zu einem klaren Ja!

Es müssen keine Abstriche bzgl. Inhalt, Ziel und Methoden gemacht werden. Alles, was im Präsenztraining angeboten wird, kann auch in der virtuellen 3D Lernumgebung abgebildet werden.

Über die Avatare entsteht schnell eine Beziehung zwischen Trainern und Teilnehmern, sowie den Teilnehmern untereinander, obwohl man sich vorher noch nie gesehen hat. Das schafft ein hohes Maß an Offenheit und damit die nötige vertrauensvolle Atmosphäre für nachhaltiges Lernen.

Die technischen Unterstützungsmöglichkeiten im virtuellen Raum ermöglichen spontane Anpassungen und Erweiterungen des Lernkonzeptes (z.B. Drag&Drop, Dokumentenaustausch, Dokumentenbearbeitung).

Es ist möglich, kleine Lerneinheiten in den Alltag der Teilnehmer zu integrieren. Für die Teilnahme an einem Seminar müssen die Teilnehmer nicht tagelang abwesend sein. So kann an einem Tag das Tagesgeschäft erledigt und gleichzeitig gelernt werden.

Die Inhalte kommen zu den Lernenden und nicht umgekehrt. Die Technik kann hier Grenzen überbrücken und Kollegen aus der ganzen Welt in den Austausch bringen. Damit steigt nicht nur die Kompetenz in Bezug auf die Seminarinhalte, sondern auch der interkulturelle Austausch aller Beteiligten.

Außerdem werden so Reisekosten und der CO2-Ausstoß reduziert.

Das überzeugendste Argument ist jedoch:

„The format is much fun!“

Weitere Einsatzmöglichkeiten für die Avatar-basierte Lernumgebung

 

Auf Basis der bisherigen positiven Erfahrungen sehen wir eine Reihe weiterer Einsatzmöglichkeiten:

  • Vielfältige verhaltensorientierte Trainings
  • Inhaltsbezogene Fachtrainings
  • Teambesprechungen und -entwicklungsmaßnahmen
  • Retrospektiven für Scrum/agile Projektteams
  • Workshops, z.B. zur gemeinsamen Erarbeitung eines Inhalts oder Prozesses
  • Townhall-Meetings
  • Infoveranstaltungen, Präsentationen
  • Nahezu alles, was die „persönliche“ und gleichzeitige Anwesenheit verschiedener Personen erfordert

„It’s cool and it’s the future”  – daher ein Angebot

Mit diesem Zitat kommen wir zum Ende der Entdeckungsreise in die Welt des virtuellen Lernens und der virtuellen Zusammenarbeit. Wir sind von der Umsetzbarkeit und Akzeptanz dieses innovativen Ansatzes überzeugt und möchten diesen weiter verbreiten.

Wir freuen uns darauf, Sie bald in unserem virtuellen Change Pioneers Büro begrüßen zu dürfen!

Hi, I am Tobias – a Change Pioneer and passionate about accompanying people, teams and organizations on their journey towards the digital future. You can find out more about us on www.change-pioneers.com.

 

 

 

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