Tag acht der selbst auferlegten Quarantäne, die ich nur zweimal für jeweils 20 Minuten für einen Spaziergang unterbrochen habe. Ich bin Isolation gewöhnt, auch wenn sie bald 9 Jahre zurückliegt. Ja, da kann ich nur sagen, auch ein Vorteil meiner langen Krankengeschichte. Der Krebs hat mich damals Geduld und Verzicht gelehrt. Auf diese Erfahrungen kann ich heute zurückgreifen. Der Preis für dieses Wissen war halt sehr hoch. Damals konnte ich mir kaum vorstellen vier Monate in der Klinik zu liegen, eine Zeit sogar in echter Isolation. Und trotzdem ist es mir mit relativ wenig psychischen Belastungen gelungen.

Auf Ressourcen zurückgreifen

Nun hat aber zum Glück nicht jeder derartige Erfahrungen, aber man kann den Umgang mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit durchaus lernen. Vermutlich werden wir das auch alle erlernen müssen, wenn sich die Prognosen über die Situation nicht bald ins Positive kehren.

Hier in Österreich wurden gerade die Maßnahmen von 3. April auf nach Ostern verlängert. Ehrlich, wir werden am Dienstag nach Ostern unser bis dato normales Leben nicht wieder so einfach von einem auf den anderen Tag aufnehmen. Ich vermute, das wird wesentlich länger dauern und dann auch stufenweise passieren.

Veränderte Umstände meistern

Bis dahin muss man dafür sorgen, das Leben unter diesen veränderten Umständen so gut wie möglich zu meistern. Im Netz schwirren dazu schon unzählige Empfehlungen herum. Darum braucht es nicht auch noch eine detaillierte Liste von meiner Seite, denn jeder hat einen anderen Zugang für Bewältigungsstrategien.

Luxus Quarantäne in der Familien-WG

Ich lebe in einer Luxus-Isolation. Ein Wohnraum der groß genug ist. Ein Freiraum in Form einer großen Terrasse und in wenigen Metern viele Wiesen und kleine Wäldchen direkt vor der Haustüre. Mein größter Luxus ist jedoch unsere Familien -WG. Ja, wir leben tatsächlich seit einigen Monaten zu fünft. Mein Mann und ich, unsere beiden Söhne und eine Schwiegertochter. Das mag für viele ungewöhnlich klingen, dass erwachsene Kinder bei den Eltern leben. Das war ja auch nicht als Dauerlösung geplant geplant, sondern viel mehr als Übergang. Der ältere Sohn und die Schwiegertochter kamen nach mehreren Jahren aus dem Ausland retour, und der Jüngere war bei uns eingezogen, weil die Wohnung renoviert wurde und seine Freundin zeitgleich nach Wien zum Studieren ging.

WinWin Situation

Nun erweist sich diese Konstellation als absolute WinWin Situation. Wir Eltern brauchen nicht außer Haus. Das ist gut, weil wir beide zur Risikogruppe gehören. Und! wir haben hier ein reges soziales Leben. Von dem ich mir von Herzen wünsche ,dass es auch die kommende Zeit übersteht. Der wohl wichtigste Punkt ist, dass wir uns versprochen haben, sorgsam und offen zu bleiben.

Ich bin großer Hoffnung, dass wir das auch gut schaffen können, weil wir als Familie zwei sehr traumatische Lebensereignisse hinter uns haben, eines davon war meine Erkrankung, das andere der Konkurs unserer Firma, der unsere gesamte Existenz vernichtet hatte. Das sind wirklich Ressourcen, auf die man zurückgreifen kann. Der Kontakt zu den restlichen Familiemitgliedern wird täglich aufrecht erhalten. Und ja,mir fehlen die Enkelkinder, die ich nun länger nicht gesehen habe.

Vieles wird anders sein

Darum habe ich für uns das gute Gefühl, dass alles wieder gut werden kann, auch wenn es danach ein wenig anders sein wird. Aber im Grunde ist auch ohne Coronakreise jeden Tag etwas anders, ob besser oder schlechter sei dahin gestellt.

Ich persönlich habe die Hoffnung, dass sich durch dieses sehr einschneidende Zeit unsere Gesellschaft verändern wird, auch zum Besseren. Im Moment funktioniert der Zusammenhalt auf vielen Ebenen sehr gut. Gerade im kleinen Umfeld. Familien rücken zusammen, Nachbarn helfen sich gegenseitig. Es wird versucht die heimische Wirtschaft zu unterstützen.

Zusammenhalt vor allem im kleinen Umfeld

Menschen singen und klatschen auf Balkonen, man kann virtuell ins Museum oder Konzert gehen. Online werden Lesungen gehalten. Viel ergreifen die Möglichkeit sich fortzubilden. Die Menschen kochen wieder zuhause, machen Sport vor dem TV. Eltern kümmern sich intensiv um ihre Kinder und so könnte ich die Liste noch stundenlang fortsetzen. Das macht wirklich MUT.

Trotzdem befürchte ich, dass die Euphorie über ein Danach, die fast nur mehr Verbesserungen verspricht, die auf Vernunft und Veränderung abzielt, auch bald wieder abklingen könnte, wenn dann dieses Danach hoffentlich bald eintritt.

Bleiben die guten Vorsätze?

Werden wir wirklich weniger und näher reisen? Werden wir weniger mit dem Auto fahren , um unsere Umwelt zu schützen. Werden wir auf Konsumgüter verzichten, die um die halbe Welt gekarrt werden müssen? Werden wir unseren Fleischkonsum einschränken? Werden wir längerfristig auf ein gutes Miteinander achten? Werden wir unseren Konsum generell herunterschrauben? Werden wir dann auch noch für andere da sein? Werden wir uns auch in Zukunft bei KassierInnen und PflegerInnen für ihr Tun bedanken?

Werden wir uns tatsächlich an all die guten Vorsätze, die teils jetzt in der Not auch umgesetzt werden, auch nach Corona noch erinnern? Oder werden wir bald nach Ende der Krise wieder in unseren gewohnten Modus fallen?

Ich weiß keine Antwort darauf, aber meine Hoffnungen sind größer als meine Befürchtungen.

Vieles kann gut werden!

Claudia Braunstein.

https://www.claudiaontour.com

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